Hans und Markus Braun –
Zwei Möbelrestauratoren aus Leidenschaft
Schönheit bewahren Altes Handwerk, überliefert vom Vater auf den Sohn, ist in Gersbach bei den Möbelrestauratoren Hans und Markus Braun noch lebendig. Im Jahre 1963 von Vater Hans Braun in Pirmasens gegründet, ist der Fachbetrieb für sein Können mittlerweile in ganz Europa bekannt. Selbst von Übersee schicken Kunden ihre Kostbarkeiten in die Restaurationswerkstatt der beiden versierten Kunsthandwerker. Renaissance, Barock, Klassizismus, Jugendstil, und, und, und. Wer die Werkstatt von Markus Braun und Senior Hans Braun betritt, kann Bekanntschaft mit den verschiedensten Strömungen der Kunstgeschichte machen. Hölzerne Schönheiten künden von der Meisterschaft und Kreativität ihrer Erbauer. Mit großer Liebe und Respekt vor dem kulturellen Erbe vergangener Zeiten, widmet man sich im Gersbacher Familienbetrieb der Restauration einzigartiger Exponate der verschiedensten Stilepochen.
Ob Barock Kommode in Nußbaum, mit Einlegearbeiten in Kirschbaum, aus der Zeit um 1700, ob englische Standuhr mit Jagdmotiv in Blumenmahagoni um 1740 oder Biedermeier Sekretär mit Würfelintarsien anno 1825 – jedem Exponat wird mit besonderer Sorgfalt begegnet und in unzähligen Arbeitsschritten zu einstigem Glanz erweckt.
Großes Wissen und Können ist von Nöten, um diese antiken Kunstgegenstände fachgerecht restaurieren zu können. Neben handwerklichem Hintergrund und langjähriger Erfahrung, muß man fundierte Kenntnisse in Kunstgeschichte und Stilkunde besitzen. „Zehn lange Lehrjahre dauerte es, bis ich den Stand er reicht hatte, mich Restaurator nennen zu können", betonte Markus Braun. Was dies alles beinhaltet, können nur wenige Menschen ausloten. „Bei uns fängt der Beruf quasi schon im Wald an", so Braun junior. Denn um über ein Potential an Hölzern zu verfügen, muß natürlich dafür Sorge getragen werden, daß neues Material nachwächst. Nach dem Schlagen der Bäume, folgt dann die lange Zeit in der das Holz lagern muß, bis alle Feuchte aus dem Naturmaterial verschwunden ist. Insgesamt sind sechs Jahre dafür von Nöten: zwei Jahre im Freilager, zwei Jahre im Außenlager und zwei Jahre im Innenlager. Dann ist das Holz erst zur Weiterverarbeitung geeignet.
Erst jetzt taugt der Rohstoff für Restaurierungsarbeiten. Je nach den Blessuren des betreffenden Möbelstückes, wird ein Katalog erstellt, der auflistet, welche Teile ersetzt werden müssen. Danach wird das Objekt in seine Bestandteile zerlegt und jedes Teil beschriftet. Elemente, die einen zu hohen Zerstörungsgrad aufweisen, werden entfernt, beziehungsweise neu gefertigt. Anschließend folgt der Prozeß des Ablaugens.
Schmiedearbeiten, wie Scharniere, Beschläge oder Schlösser gilt ein gesondertes Interesse, auch für sie gilt: Funktionstüchtigkeit und perfektes Äußeres. Klar, hier wie bei dem gesamten Werkstück handelt es sich um Unikate. Dies gilt auch für alle Verzierungen wie Intarsien oder Schnitzarbeiten, die Markus Braun, je nach Zustand nachsticht, beziehungsweise wieder in ihren Originalzustand versetzt. Sind diese Arbeitsschritte vollzogen, beginnt der Prozeß der Oberflächenbearbeitung, dabei gilt es zu beachten, das jedes Holz eine andere Beschaffenheit, will sagen Reaktion, aufweist. Erst danach erfolgt der abschließende Wiederaufbau.
„Vor diesem Hintergrund wird klar, was einen guten Restaurator ausmacht, er muß ein versierter Kunsthistoriker, ein tadelloser Tischler, Schnitzer, Chemiker, Polierer und Lackierer sein", betonen Hans und Markus Braun. Wer sich mit ihrem Metier auseinandersetzt, begreift, welche Verantwortung ihrer Arbeit obliegt. Ob Kreuzweg, Heiligenfigur, Musikinstrument oder Möbelstück, hier müssen Beweise unwiederbringlicher Kultur unverfälscht erhalten bleiben. Für die Gersbacher Männer ist dies oberstes Gebot. Dahinter steht eine Weltanschauung, in denen sich Traditionen spiegeln. Und natürlich die Liebe zum Handwerk. So ist es für Vater und Sohn immer wieder ein schlimmer Moment sich von einem restaurierten Gegenstand zu trennen. „Das Herz blutet und gleichsam ist da die Faszination, die fertige Arbeit nach besten Wissen und Gewissen für den Kunden beendet zu haben."
Kein Auftrag gleicht dem anderen, immer wieder stehen die Gersbacher Restauratoren vor neuen Herausforderungen. Für die damit verbundenen Arbeitsstunden gibt es folglich keine Pauschale. „Eine Restauration dient dem Werterhalt, ist Kapitalanlage und Bewahrung eines Kulturgutes!", meint Markus Braun, der auch als Gutachter für Antiquitäten bei der Handwerkskammer der Pfalz ein gefragter Fachmann ist. „Nichts schmerzt mehr, wenn man sieht, wie Pfuscher altertümliches Kunsthandwerk ruinieren. Dies ist leider öfter der Fall als man glauben möchte".
Auf die Frage, ob sie sich auch an lustige oder kuriose Begebenheiten erinnern können, lacht Markus Braun: "Ja, natürlich! Manchmal entdeckt man Dinge, die selbst die Besitzer in Staunen versetzten. So passierte es, daß beispielsweise in alten Sekretären oder Schränken von uns Geheimfächer entdeckt werden, in denen sich schon mal Wertgegenstände wie Diamanten, Geldstücke oder alte Dokumente verbergen." Restauration Geheimnisse aus alter Zeit! Hans und Markus Braun sind Hüter ihres Handwerkes.









